Vortrag von Hans-Joachim Tessner: Was macht Unternehmen erfolgreich?

Hans-Joachim Tessner, Ehrenbürger der Stadt Goslar, Multiunternehmer und »Möbeltycoon«, referierte am 7. Juni vor zahlreichen Mitgliedern und Gästen der Wirtschaftsjunioren Harz im Goslarer Hotel und Restaurant »Schiefer« zu dem Thema »Was macht Unternehmen erfolgreich?

« Tessner ging zunächst kurz auf die Geschichte des Schiefer ein, das im Jahr 2005 von seiner Immobiliengesellschaft »TesCom« erworben und grundlegend saniert wurde.

Dann nannte Tessner beispielhaft zehn goldene Regeln für erfolgreiche Unternehmen:

»Sei ungewöhnlich«; »setze Dir mutige Ziele«; »lerne von anderen«; »plane Glück und Pech mit ein«; »Netzwerke bis die Schwarte knackt«; »Produkt? Gut! Vertrieb? Besser!«; »du brauchst einen Plan«; »verfolge Deinen Plan«; »das Team macht den Unterschied« und »das sind Tipps, keine Gesetze«. Tessner betonte, dass er diese goldenen Regeln bei seinem Eintritt in das Berufsleben natürlich noch nicht kannte und daher wichtige Entscheidungen eher nach Instinkt und Bauchgefühl traf.

Tessner war 1960 als 16-jähriger Lehrling in das elterliche Möbelhaus in Goslar eingetreten, das damals 18 Mitarbeiter beschäftigte. Heute zählt die in ganz Deutschland aktive Unternehmensgruppe mehr als 7000 Mitarbeiter.

Tessner nannte einige Meilensteine in der Unternehmensentwicklung. Im Jahr 1984 begann Tessner in Osnabrück und Gelsenkirchen das Discountgeschäft mit Möbeln und kreierte den plakativen Namen »Roller«. Roller ist heute das Herzstück der Tessner-Gruppe und betreibt aktuell 123 Märkte; die Zentralverwaltung ist in Gelsenkirchen. Unter dem Dach der Tessner-Holding KG mit Sitz in Goslar werden alle Handels- und Immobilienaktivitäten sowie Beteiligungen gesteuert. Die Handelsaktivitäten erreichten zum 30.09.2015 einen Gruppenumsatz von 1,53 Milliarden Euro. Hierzu gehört auch das Goslarer Unternehmen »tejo« mit »tejo Wohnwelten«, »Möbel Schulenburg« und »SB-Lagerkauf« sowie seit 1997 die MEDA Küchenfachmärkte mit Hauptsitz in Neukirchen mit aktuell 19 Märkten in Westdeutschland. Die TesCom (Gründung 1979) plant und realisiert eigene Immobilienkonzepte im Bereich Fachmärkte, Büro- und Wohnimmobilien. Entwickelt und vermietet wurden bisher ca. 600 000 m² Gewerbeflächen und 53 000 m² Büro- und Wohnflächen bundesweit. Die Tessner Beteiligungs GmbH hält 15,1 Prozent des Aktienkapitals der KWS Saat SE Einbeck – dem Spezialisten im Bereich Saatgut und Pflanzenzüchtungen. Der Jahresumsatz der KWS Saat liegt über 1,2 Mrd. Euro und die Zahl der Mitarbeiter beträgt weltweit über 4000.

Aus heutiger Sicht gebe es eine Reihe von Faktoren, die für den Erfolg im Handel bestimmend seien: »Auswahl der richtigen Standorte«; »Wettbewerbsbeobachtung«; »Analyse des Einzugsgebietes und der Kaufkraft«; »Gebäudegrundrisse und das Einrichtungslayout«; »Abwicklungsmöglichkeiten des  Bertriebskonzeptes über entsprechende Lagerkapazitäten und Anlieferungszonen«; »Marketing«, »Sortiment

und die Preispolitik«; »Schulung und Einsatz von Mitarbeitern«; »Einsatz der bestmöglichen Technik«; »Controlling der Kennziffern über ein ausgereiftes Berichtswesen« und »permanente Beobachtung und Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie«. Tessner wies darauf hin, dass es für Familienunternehmen

notwendig ist, sich stets mit der Weiterentwicklung der eigenen Unternehmensstrategie zu beschäftigen. Dabei sollte man sich mit den folgenden Fragen auseinandersetzen: »Mit welchen Geschäftsfeldern wird die heutige Marktposition abgesichert und ausgebaut?«; »welche strategischen Erfolgspositionen schaffen

langfristig Wettbewerbsvorteile?«; »sind Management und Führungskräfte den heutigen und zukünftigen Anforderungen gewachsen?«; »wie wird die finanzielle Unabhängigkeit gesichert? «; »wie wird der Wert des Unternehmens nachhaltig gesteigert?«; »entsprechen die gesellschafts-vertraglichen Vereinbarungen,

die Unternehmenskultur und -werte dem Selbstverständnis der Gesellschafter, der Unternehmensführung

und der Mitarbeiter?«; »sind die Unternehmensprozesse und Strukturen auf die Anforderungen der Zukunft ausgerichtet?«; »welche Fähigkeiten gegenüber dem Wettbewerb müssen gepflegt und ausgebaut werden?;

«mit welchen Maßnahmen erreichen wir die operativen Ergebnisziele? Etwas überspitzt ausgedrückt

lässt sich auch formulieren: »Richtig managen ist die Kunst, sich zu kratzen, bevor es juckt«.

Nicht minder wichtig ist es aus Sicht Tessners, auch der Gesellschaft etwa zurück zu geben. Tessner hat dies bereits vor 25 Jahren mit der Gründung einer eigenen Stiftung getan. Stiften bedeute »freudiges geben«. So unterstütze die Tessner-Stiftung beispielsweise das Internationale Musikfest Goslar, den Bürgerpreis, den Geschichtsverein, die Musikschule Goslar, den Verein zur Förderung moderner Kunst oder das mehr.

Außerdem war Tessner maßgeblicher Mitbegründer der vor 16 Jahren als eine der ersten Bürgerstiftungen ins Leben gerufenen »Bürgerstiftung für Goslar und Umgebung«. Seit Gründung wurden hier rund eine Million Euro für über 360 Projekte gefördert! Magdalena Pajonk, die Sprecherin der Wirtschaftsjunioren Harz, dankte im Namen der Teilnehmer für den überaus informativen Vortrag und die Einblicke in die  Unternehmensgruppe Tessner.